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Alliierte Besatzung und „Trizonesien" (1945-1949)

Kindheit im Nachkriegsdeutschland

Die Lebensmittelrationen, im Kriege ausreichend, sanken im Frieden unter das Existenzminimum. Hungernd und frierend, in Ruinen und Baracken hausend, waren die Deutschen darauf angewiesen beim "Hamstern" auf den Feldern, beim Schachern auf dem Schwarzmarkt, beim Stehlen auf den Kohlezügen oder beim Schmuggel an der Grenze das Lebensnotwendige selbst zu besorgen.

Das "Essener Tagblatt" vom 31. Mai 1950 berichtete über Kinder als Banden mäßig organisierte Schmuggler an der deutsch-niederländischen Grenze in der frühen Nachkriegszeit:

"Aber jeder Zollgrenzschutzbeamte begegnet fast täglich Kindern, die von Banden vorausgeschickt werden und eine Art Marschsicherung darstellen. Er könnte sie [. . .] passieren lassen, um die eigentlichen Schmuggler zu fassen. Er tut es aber meist nicht, weil es durchaus möglich und üblich ist, daß diese Jugendlichen schon selbst die Unternehmer sind. Führen sie allerdings kein Schmuggelgut mit, so ist die nachfolgende Bande gewarnt und entwischt.

Es kann auch vorkommen, daß die Kinder, bepackt mit Kaffee, Kakao oder Zigaretten, eine drohende Haltung gegen die Beamten einnehmen, und mehr als einmal haben starke Kinderbanden unter den Augen der Zöllner die Grenze praktisch ungehindert passiert. Denn diese Kinder wissen genau, daß sie keinen der Gewehrschüsse zu fürchten haben, die gegen Erwachsene abgefeuert werden können. Junge Burschen, denen die Schmuggelware abgenommen worden ist, verfallen bisweilen auf den Gedanken, anderen Kindern den Kaffee abzunehmen, damit sie nicht mit leeren Händen heimkommen. Kinderbanden, die sich aus Mädchen und Jungen zusammensetzen, verbergen sich häufig stunden- und nächtelang in Schlupfwinkeln. Minderjährige Mütter sind an der Grenze keine Seltenheit. Und sind sie schließlich gefaßt und werden abgeführt, so singen sie mit stolzgeschwellter Brust das Lied der jungen Schmuggelaktivisten:
Wer nicht arbeiten will, / aber Geld verdienen will, / der muß schmuggeln geh'n. / Für'n Rasierapparat / kriegst 'ne Tafel Schokolad'; / wirst du dann geschnappt, / hast du Pech gehabt."

Mit der "Hoover-Schulspeisung" versuchten die Alliierten u.a. Hunger und Unterernährung der Kinder zu mildern. Benannt nach dem 31. amerikanischen Präsidenten Herbert C. Hoover, der sich besonders um die Kinderversorgung nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg verdient machte, sollte die Schulspeisung eine warme Mahlzeit für jedes Schulkind gewährleisten. Dies konnten Milchspeisen oder regional geprägte Eintöpfe sein. Die Kinder brachten Essgeschirr in Form eines Blechgefässes und einen Löffel zur Schule und der Ausgabestelle mit.

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