Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

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Hurrapatriotismus

Lebens- und Arbeitsbedingungen des Industrieproletariats

Aus Ackerbürgerstädten am Hellweg wurden innerhalb kürzester Zeit expandierende Industriedörfer. Bei der Unterbringung der Massen von Arbeitern kam es schnell zu Engpässen: Der Raum reichte in den kleinen Hellwegstädten nicht aus. Die Mietshausspekulation griff um sich. Während sich die wohlhabenden Kreise Villenviertel am Stadtrand bauten, wurden für die Arbeiterfamilien in öden Straßenzeilen Mietshäuser mit kleinen Wohnungen gebaut, die völlig überfüllt und überteuert waren. Die Wohn- und Familienverhältnisse waren entsprechend elend. In diesen engen Wohnungen wurden oftmals noch Untermieter, sogenannte Schlafgänger, aufgenommen, um eine zusätzliche Einkommensquelle zu haben. So schliefen oft eine ganze Familie und ein Fremder in einem Zimmer, wobei sich mehrere Menschen im Wechsel ein Bett teilten, weil die Arbeitnehmer ihren Schlafrhythmus an die Arbeitsschichten anpassen mussten.
Die Arbeitsbedingungen in den Fabriken waren auf die Maschinen, nicht auf die Menschen, zugeschnitten.  Den Unternehmern kam es zunächst darauf an, dass sich die teuren und schnell veraltenden Maschinen schnell amortisierten, so dass sie die Produktion rund um die Uhr aufrecht erhielten. Die Menschen, die aus der Landwirtschaft oder dem Handwerk natürlichere Arbeitsrhythmen kannten, mussten sich an Pünktlichkeit, stetiges Arbeiten im Takt der Maschinen und strenge Arbeitsdisziplin in den Fabriken gewöhnen. Hinzu kam eine Wochenarbeitszeit von 70, in der Textilindustrie von 80 Stunden.
Dabei waren der Handlungsfreiheit der Unternehmer gegenüber ihren Arbeitern keine Grenzen gesetzt.

Kinderarbeit

Der Staat wollte die Industriellen so wenig wie möglich einengen bzw. "belästigen", da diese sich sonst von Preußen abwenden könnten. Es gab in den Anfängen der industriellen Entwicklung keine Fabrikordnung, keine kollektiven Arbeitsverträge, sondern nur individuelle Abmachungen, kein Mitspracherecht der Arbeiter und vor allem keinen Arbeitsschutz. Die Zustände in den Fabriken waren deshalb entsprechend bedrückend, unhygienisch und gesundheitsschädlich, die Lohn- und Arbeitszeitbedingungen ausbeuterisch.
Frühe Beschreibungen der erschreckenden Arbeits- und Wohnverhältnisse der Arbeiterklasse, die Berichte über die unhygienischen Zustände sowie die Abstumpfung und Verrohung der Menschen, die jetzt Proletarier genannt wurden, beinhalteten, bezeichneten die "Soziale Frage" als ein Problem der wachsenden Städte.

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