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Weimarer Republik, Nazidiktatur und Zweiter Weltkrieg (1919 – 1945)

Das Rheinland in der Weimarer Republik

Im Dezember 1918 errichteten Belgien, Frankreich, Großbritannien und die USA ein Militärregime über die linksrheinischen Gebiete und einen schmalen Streifen rechts des Flusses. Gegen französischen Willen beließ der Vertrag von Versailles das Rheinland fast vollständig bei Deutschland, unterstellte aber dessen Verwaltungsorgane der Kontrolle des "Interalliierten Hohen Ausschusses für die Rheinlande" in Koblenz. Für den Fall korrekter Erfüllung der deutschen Reparationspflichten sah er das Ende der Besatzung bis spätestens 1935 vor.

 

Die Bewegung für ein autonomes Rheinland

Karikatur aus "Kladderadatsch" zur Bewegung für ein autonomes Rheinland  

Die verhinderte Abspaltung des Rheinlands erstrebte Frankreich nun mit Hilfe einer Autonomiebewegung unter Beteiligung namhafter Vertreter des öffentlichen Lebens. Ihr Wortführer wurde Kölns Oberbürgermeister Konrad Adenauer (1876-1967). Sein rheinischer Sonderweg im Rahmen der Weimarer Verfassung aber war manchen zu moderat. So forderte der frühere Koblenzer Staatsanwalt Hans Adam Dorten (1880-1963) von der "Rheinischen Volksvereinigung" ab 1920 immer offener einen unabhängigen Bundesstaat. Nach der Förderung weiterer Autonomistengruppen bis Mitte 1923 erwirkte die französische Besatzung ein Aktionsbündnis zur "Herbeiführung der selbständigen Rheinischen Republik". Im Herbst kam es in Düsseldorf, Aachen, Wiesbaden, Koblenz und bei Honnef zu Unruhen. Erst ein britischer Protest, der einen Rheinstaat als Verletzung des Friedensvertrages wertete, veranlasste Frankreich, alle Separatistenverbände aufzulösen.

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"Rote Ruhrarmee"

Einen Bürgerkrieg hat das Rheinland schon im Frühjahr 1920 erlebt. Damals überzog eine "Rote Ruhrarmee" u. a. Barmen, Duisburg, Elberfeld, Essen, Remscheid und Velbert mit Straßenkämpfen. Der Anlass - ein rechtsradikaler Putsch in Berlin - war binnen vier Tagen beseitigt, da machte die "Ruhrarmee" gegen die SPD-geführte Reichsregierung Front. Nach brutalen Gewaltausbrüchen auf beiden Seiten ließ die Regierung die Revolten Anfang April 1920 niederschlagen.

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Der "Ruhrkampf" 1923

Plakat zum "Passiven Widerstand" im Ruhrgebiet 1923

Im Januar 1923 wurde das Ruhrgebiet erneut zum Exerzierfeld militärischer Macht, als Belgier und Franzosen überfällige Holz- und Kohlelieferungen eintrieben. Die Reichsregierung forderte zum „Passiven Widerstand“ auf. Infolge der Kosten der Massenstreiks sank der Wert der Goldmark bis November ins Bodenlose, ehe die Aufgabe der Verweigerungspolitik Ende September und eine Währungsreform mit der Einführung der Rentenmark im November 1923 die Krise beendeten.

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Das "Zentrum" als Rheinlandpartei

Nach 1918 bliebt das "Zentrum" die Rheinlandpartei. Mit den Kölnern Wilhelm Marx (1863-1946) als Reichskanzler und Heinrich Brauns (1868-1939) als Reichsarbeitsminister stellte es zwei Eckpfeiler der Konsolidierungsphase der Weimarer Republik. Obwohl weder Marx noch der Remscheider Karl Jarres (1874-1951) 1925 das Reichspräsidentenamt erringen konnten, wurde ein Rheinländer, der frühere Reichsaußenminister und Reichsgerichtspräsident Walter Simons (1861-1937), ehedem Richter in Velbert, für 72 Tage provisorisches Staatsoberhaupt. Auch Reichskanzler Philipp Scheidemann (1865-1939), Reichspräsident Friedrich Ebert (1871-1925) und Reichsinnenminister Wilhelm Sollmann (1881-1951) von der SPD hatten über ihre Wahlkreise Solingen und Elberfeld-Barmen oder als Chefredakteur der "Rheinischen Zeitung" Bindungen ans Rheinland. Dort geboren war indes kaum ein führender Sozialdemokrat; der bekannteste war Rudolf Breitscheid (1874-1944), preußischer Innenminister aus Köln.

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