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Inhaltsverzeichnis

Bundesrepublik und Beginn des Wirtschaftswunders (1949 – Anfang 1950er-Jahre)

Aufbau

1946 hatten die Briten Düsseldorf zum Regierungssitz Nordrhein-Westfalens bestimmt. Am 23. Mai 1949 wurde aus den drei westlichen Besatzungszonen die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Es folgte am 29. November desselben Jahres die Ernennung Bonns zum Regierungssitz der Republik und zur „provisorischen Bundeshauptstadt“. Daraufhin zogen unter anderem der Deutsche Industrie- und Handelstag und der Deutsche Gewerkschaftsbund an den Rhein. Für die rheinische Wirtschaft verkürzten sich die Wege zu einflussreichen Politikern und Lobbyisten. Ferner stärkten sie Firmenzuzüge aus Berlin, nachdem die Berlinblockade der Sowjets 1948/49 die labile Lage der drei westlichen Sektoren als „Insel“ in der sowjetischen Zone offenbart hatte.

Wiederaufbau im Wirtschaftswunder, Szene in der Ausstellung "WirRheinländer"

Trotz Krieg und Demontagen verfügte das Rheinland noch immer über ein großes Arbeitskräftepotential und eine strukturell leistungsfähige Großindustrie. Der aufkeimende Ost-West-Konflikt förderte bei den Westmächten die Einsicht, dass der Wiederaufbau ihrer Zonen, ja Westeuropas, ohne eine Gesundung der Wirtschaft an Rhein und Ruhr nicht gelingen konnte. Statt die westdeutsche Infrastruktur durch Entnahmen aus dem verbliebenen Produktionsapparat fortwährend zu schwächen, verhalf das „European Recovery Program“ (ERP oder „Marshall-Plan“)
der USA den Deutschen zu strategischen Anschubfinanzierungen und neuer Kreditwürdigkeit.

Bis Mitte 1952 befristet und zur Hälfte geliehen, wirkte die amerikanische Hilfe für Westdeutschland wie eine Initialzündung - sowohl wirtschaftlich als auch psychologisch. Hauptempfängerland war Nordrhein-Westfalen, wo das Geld in erster Linie in den Kohlebergbau, das Nachrichten- und Verkehrswesen sowie die Energieversorgungsbetriebe floss.

Schon 1951 übertraf die Industrieerzeugung der Bundesrepublik den Stand von 1938. Am Ende des Jahrzehnts sollte sie sich mehr als verdoppelt haben.

 

Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik von 1949 bis 1959:

Jahr Indus-triepro-duktion
(1950
=100)
Erwerbs-tätige(Mio.) Erwerbs-losigkeit
abhängig
Beschäf-tigter (%)
Lebens-haltungs-kosten
(1950
=100)
Brutto-
stunden-verdienst
(1950
=100)
1949 80 13,5 8,3 107 95
1950 100 13,8 10,3 100 100
1951 118 14,6 9,0 108 115
1952 126 15,0 8,4 110 124
1953 139 15,6 7,5 108 130
1954 155 16,3 7,0 108 133
1955 178 17,2 5,2 110 142
1956 192 18,1 4,1 113 156
1957 203 18,6 3,4 115 170
1058 209 18,8 3,5 119 182
1959 225 19,4 2,4 121 191

Von 1950 bis 1960 verdreifachte sich das Bruttoinlandsprodukt. 1952 erzielte man erstmalig einen Exportüberschuss.

"Marshall-Plan", Deutsche Mark und Marktwirtschaft kurbelten die Wirtschaft erstaunlich schnell an. So stieg auch der Durchschnittsverdienst in den 1950er Jahren real um 50 Prozent. Allerdings verharrte die Arbeitszeit der Sechstagewoche bei rund 48 Stunden. Die D-Mark verteuerte viele Waren und verlor bis 1959 ein Fünftel ihrer Kaufkraft.
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Arbeitsaufwand eines westdeutschen Industriearbeiters für ausgewählte Güter:
Monat und Jahr 1 Kg Zucker 1 Kg Butter 1 Kg Kaffee 1 VW Käfer
November 1949 58 Min. 4 Std.
23 Min.
22 Std.
37 Min.
3.946 Std.
November 1958 32 Min. 2 Std.
58 Min.
8 Std.
2 Min.
1.675 Std.
Oktober 1970 11 Min. 1 Std.
11 Min.
2 Std.
41 Min.
787 Std.
Oktober 1975 10 Min. 52 Min. 1 Std.
37 Min.
690 Std.
Juli 1983 9 Min. 42 Min. 1 Std.
36 Min.
607 Std.

Allerdings verharrte die Arbeitszeit der Sechstagewoche bei rund 48 Stunden. Die D-Mark verteuerte viele Waren und verlor bis 1959 ein Fünftel ihrer Kaufkraft.

Die Hoffnung, die Währungsreform mit einem „Kopfgeld“ von 60 DM werde den Wohlstand in der Bevölkerung gerechter verteilen, versiegte, denn 1960 gehörten einem Sechstel aller Haushalte fast drei Viertel des Privatvermögens.

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