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Erster Weltkrieg (1914 – 1918)

Der Schützengraben oder: Der Rückzug des Menschen vor der Technik

Die Generäle aller beteiligten Nationen wollten einen Krieg von Morgen mit den Mitteln von Gestern gewinnen. Ihr strategisches Denken war noch völlig von einem kurzen Bewegungskrieg im Stile von 1870/71 befangen. Schon lange vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges lagen in Frankreich und Deutschland weitreichende operative Pläne (Plan XVIII bzw. Schlieffen-Plan) in den Schubladen beider Militärs.

Zeichnung von Anton Keldenich: Tod am Machinengewehr

Sie unterschätzten die waffentechnische Weiterentwicklung jedoch völlig. Dazu zählte die verheerende Wirkung des bereits 1885 von Hieram Maxim erfundenen Maschinengewehrs. Ebenso hielt man zumindest auf französischer Seite Tarnuniformen für überflüssig. Im deutschen Heer hatte man 1910 eine feldgraue Uniform eingeführt, die den Soldaten besser an das Gelände anpassen sollte. Frankreich ließ seine Infanterie 1914 in weit sichtbaren blauen Jacken, roten Hosen und roten Mützen angreifen; erst 1915 führten sie eine grabentaugliche blau-graue Uniform ein.

Dicke Berta

Am meisten unterschätzt wurde jedoch die zerstörerische Wirkung der Artillerie, die mit einem ganzen Arsenal verschiedenster Geschütze bald jede operative Bewegung zum Scheitern brachte. Das nach der Krupp-Gattin als „Dicke Berta" bezeichnete 42-Zentimeter-Geschütz war die schwerste Kanone des Ersten Weltkrieges. Artilleriegeschosse töteten oder verwundeten durch Granatsplitter und Schrapnellkugeln sowie Giftgas etwa Dreiviertel aller Soldaten auf beiden Seiten. 

Nachdem die Fronten im Westen ab Oktober 1914 zu einem Stellungskrieg erstarrt waren, wurden die Soldaten zunehmend gezwungen, sich in immer ausgeklügelteren Stellungs- und Unterstandssystemen vor der Wirkung der Artillerie zu schützen. Steilfeuergeschütze (Minenwerfer) und Giftgas erreichten bald jeden Winkel eines noch so geschickt angelegten Grabens und ließen jede Schutzmaßnahme und jeden noch so tief angelegten Unterstand als unsicher erscheinen. Der Soldat lebte unter ständiger Bedrohung vor der Macht der Technik, die ihm im wahren Sinne des Wortes über den Kopf gewachsen war.

1915 wurde in der französischen, 1916 in der deutschen Armee der Stahlhelm eingeführt.

Zusätzlich ging man auf deutscher Seite dazu über, den Soldaten gleich einer Ritterrüstung mit einem sog. "Grabenpanzer" zu behängen, welcher zwar einigermaßen vor Granatsplitter schützte, jedoch jede schnelle Bewegung unmöglich machte.
 
Da der Krieg auch unter der Erde geführt wurde, indem man komplette Schützengräben unterminierte und abschnittsweise in die Luft sprengte, fühlte sich der Soldat bald nirgendwo mehr sicher und empfand diesen Krieg immer stärker als industriemäßiges Menschenschlachten.

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