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Es begann mit dem Preußenadler

Die „Bonner Fahnenfabrik GmbH" setzt weltweit Zeichen.

Im Eröffnungsjahr der Ausstellung „WirRheinländer" wird die Fahnenfabrik in der Bonner Römerstraße genau 140 Jahre alt. Aber das ist nur ein Grund, dass sich dieses Stück rheinischer Wirtschafts- und Industriegeschichte gemeinsam mit dem Rheinischen Freilichtmuseum präsentiert.

1866 in Bonn: innerhalb von zwei Jahren hat das Preußische Königreich wieder einen Sieg errungen, auch nach Bonn kehren preußische Einheiten aus dem Krieg mit Österreich zurück. Von der Euphorie des Sieges getragen, hat der Kaufmann Josef Meyer die zündende Geschäftsidee: König, Militär und all die Siegesfeiern brauchen Fahnen, und die will er herstellen! Er gründet eine Fahnenfabrik.

Dass ihn Fahnen zum Erfolg führen würden, hatte der 1818 in Koblenz geborene Meyer schon zwei Jahre zuvor gespürt. In seinem Dekorationsgeschäft in der Bonner Innenstadt, das bald schon nach seiner Eröffnung im Jahre 1862 eine gute Adresse für den Kauf von Tapetenrollen war, hatte der Rheinländer 1864 bei der Rückkehr von Einheiten aus dem Deutsch-Dänischen Krieg in ihr Bonner Quartier beobachtet, dass enormer Bedarf an Preußenfahnen bestand. Er schnitt die Umrisse des Preußenadlers sauber nach Vorbild aus Schablonen, ließ das Wappentier mit Ölfarbe auf Tuchstreifen übertragen… Die Preußenfahne war fertig! Bald trafen Bestellungen von Staats- und Regimentsfahnen aus Berlin und dem ganzen Königreich ein, die von Lohnmalern in Heimarbeit und Näherinnen in Meyers Fabrik gefertigt wurden.

Das Geschäft eines Rheinländers mit den Preußen sollte sich bezahlt machen: Als 1871 das deutsche Kaiserreich ausgerufen wird, sitzt Meyers „Bonner Fahnenfabrik" als Hoflieferant bereits fest im Sattel. Mit der Kaiserproklamation wird die schwarz-weiß-rote Reichsfahne eingeführt, ihre Produktion läuft in Bonn bald auf Hochtouren. Aber auch für Kaisers Geburtstag und den Erinnerungstag an die Schlacht von Sedan bezieht das Deutsche Reich Fahnen und Dekorationen aus der Bonner Fabrik, die Kundenservice groß schreibt: eine eigene Abteilung „Dekorationen" reist durch das ganze Reich von Ort zu Ort, um in nächtlicher Stunde die Dekoration vorzunehmen und nach der Veranstaltung blitzschnell wieder abzubauen. Die Bonner Fahnenfabrik lebt aber auch vom Vereinswesen, das im Kaiserreich aufblüht: Turnvereine, Studentenverbindungen, Musik- und Gesangsvereine, Schützenbruderschaften und Freiwillige Feuerwehren lassen sich in Bonn ihre Fahnen drucken oder sticken.

In den 1870er Jahren weitet die Bonner Fahnenfabrik ihre Produktion von Dekorationsartikeln auf die Herstellung von Theaterkostümen und sogar vollständigen Bühnenaufbauten aus. Wieder sind eigene Montagetrupps in Deutschland auf der Reise, um die Bühnenkulissen aufzustellen. In den Folgejahren erwirbt die Bonner Fahnenfabrik 15 Hoflieferantenprädikate.

Der Unternehmenserfolg wird durch ein für damalige Verhältnisse beachtliches Marketing gesichert: In der Schreibstube der Fabrik schreiben viele Kräfte täglich ellenlange „Fahnenbriefe", die nach ganz Deutschland verschickt werden. Kataloge werden in Stückzahlen bis zu einer halben Million Exemplaren distribuiert. Allein für die Einweihung des Niederwald-Denkmals, das bei Rüdesheim am 28. September 1883 in Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 von Kaiser Wilhelm I. höchstpersönlich eingeweiht wird, lässt die Unternehmerfamilie Meyer 50.000 Sonderkataloge mit Darstellungen der Dekoration dieser Feierlichkeit drucken. Das Aufblühen der deutschen Hochseeschifffahrt, aber auch der Binnenschifffahrt beschert der Bonner Fahnenfabrik im ausgehenden 19. Jahrhundert große Aufträge: Rheinische Reedereien wie die Köln-Düsseldorfer, die Preußisch-Rheinische, die von Koblenz und Mosel und Firmen wie Faber, Stinnes und Thyssen bestellen ihre Schiffsflaggen in Bonn.

Mit der Einrichtung von Bleichkufen, Färbemaschinen und den dazugehörigen Waschtrommeln und Zentrifugen sowie eines großen Nähmaschinensaals in Erweiterungsbauten vollzieht sich um 1905 die Industrialisierung der bis dahin noch deutlich in Hand- und auch Heimarbeit produzierenden Fahnenfabrik. Anilinfarben werden nun eingesetzt, 1911 wird eine Flaggendruckerei eingerichtet. Anstelle der traditionellen Schablonenmalerei tritt nun der chemische Dampfdruck mit Handdruckformen (Modeln), der die Farben akkurat und dauerhaft auf die Stoffe aufbringt.

Der Erste Weltkrieg soll der Bonner Fahnenfabrik neue Arten von Aufträgen bescheren: Neben der umfangreichen Flaggenherstellung für Heer und Marine beginnt die Fabrik mit der Produktion von Militärzelten und Strohsäcken. Selbst die wirtschaftlich schwierige Nachkriegszeit kann das Bonner Unternehmen ohne einschneidende Einbußen überstehen: 1923, am Höhepunkt der Inflation, darf es mit behördlicher Genehmigung eigenes Fabrikgeld, so genannte Lohnschecks, ausgeben, die in eigener Druckerei hergestellt werden. Die Fahnenproduktion läuft auf der Basis des Verkaufswertes von Roggen und Weizen weiter.

1924, die Währung ist wieder stabil, errichtet die Bonner Fahnenfabrik im rechtsrheinischen heutigen Stadtteil Beuel eine eigene Fahnentuchweberei mit 100 Webstühlen. Damit kann die Qualität des Endprodukts bereits in der Rohware gesichert werden. Vier Jahre später siedelt das Hauptwerk vom Standort des Stammhauses im Bonner Zentrum in ein Kasernengelände im Bonner Norden um, das die Expansion des Unternehmens ermöglicht. 1929 entsteht im italienischen Pola eine Zweigfabrik, während im Bonner Hauptwerk das Filmdruckverfahren bei der Flaggenherstellung eingeführt wird.

Die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten beschert dem Bonner Unternehmen jedoch einen spürbaren Produktionsrückgang: Infolge der Gleichschaltung, die auch alle Vereine betrifft, bleiben Aufträge für neue Vereinsfahnen nahezu aus. Während des Zweiten Weltkrieges kann die Weiterführung der Produktion durch kriegsbedingte Aufträge der Kriegsmarine und der Heeresverwaltung für Kriegs-, Signal- und Sonderfahnen sichergestellt werden. Bei Kriegsende ist die Weberei in Beuel zerstört, das Hauptwerk jedoch weitgehend verschont geblieben. Das Zweigwerk in Pola, ebenfalls zerstört und mit Pola an Jugoslawien gefallen, wird liquidiert. Im Bonner Hauptwerk treffen im Sommer 1945 wieder erste Aufträge ein: Die britische Besatzung bestellt für ihre Truppen jede Menge Shorts!

Heute zählt das auf internationalem Markt präsente Traditionsunternehmen Bonner Fahnenfabrik zu den größten Produzenten von Fahnen, Hissflaggen, Großdisplays und Spannbändern Deutschlands. Modernste Digital-Technologie und computergesteuerte Druckstraßen mit einer Kapazität bis 4.000 Quadratmetern in der Stunde bei ökologischem Druckverfahren garantieren schnelle und flexible Produktion bei höchster Qualität.


Die Bonner Fahnenfabrik sponsert das Rheinische Freilichtmuseum Kommern und seine Ausstellung "WirRheinländer" mit Ausstellungsbannern und Objekten aus der Firmengeschichte.

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